Fachtagung

Die kinderfreundliche Stadt






Begrüßung und Einführung ins Thema
von Ulrike Haase,
stellv. Landrätin und Vorsitzende der Kreis-SGK


Sehr geehrter Damen und Herren, liebe Genossinnen und Genossen,

herzlich willkommen zu unserer Auftaktveranstaltung zur Reihe “Sozialdemokratische Gespräche - Dialog Zukunft”. Wir, die Kreis-SGK, wollen in der nächsten Zeit Fachgespräche mit hiesigen und auswärtigen Kommunalpolitikern, Fachleuten und Wissenschaftler zu den vor uns liegenden Veränderungsprozessen führen und dabei Hinweise und Handlungsempfehlungen zu Strategien geben. Wir wünschen uns einen breitgefächerten Dialog, wobei wir nicht vor Parteigrenzen halt machen möchten.

Unser heutiges Thema ist Demographischer Wandel, Die kinderfreundliche Stadt.

Dazu darf ich herzlich begrüßen :

Frau Kerstin Griese, MdB als Vorsitzende des Familienausschusses des Deutschen Bundestags

Herrn Bürgermeister Stefan Freitag aus Velbert

Herrn Stephan Schnitzler, Sozialpolitiker des Kreistags und Ratsmitglied in Velbert

Ich selber bin Ulrike Haase, Vorsitzende der Kreis-SGK und hier im Kreis Mettmann stellvertretende Landrätin.

Was bringt uns der vielbeschworene, aber von vielen lange verdrängte demographische Wandel. Welche Probleme entstehen für unsere Städte welche Chancen beinhaltet der Wandel?

Experten sagen voraus, dass spätestens ab 2020 die über 60jährigen (ich werde dann natürlich dazu gehören) die stärkste Bevölkerungsgruppe stellen werden und ab der Mitte des Jahrhunderts bei etwa 40 % liegen werden. Überaltern die Städte, bleiben sie noch attraktiv für Junge?

Welche Zielkonflikte werden sich ergeben? Wo müssen wir heute politisch ansetzen, damit Kinder und junge Menschen Chancen haben. Welche Rolle spielen dabei die Städte?

Erleben wir einen Verteilungskampf um die knappen Mittel? Alt gegen Jung? Wer wird uns, die Baby-Boomer -Generation pflegen? Wie wird sich dies auf städtische Infrastruktur auswirken. In den Sozialhaushalten aber auch in der Stadtentwicklung? Wird der Familienaspekt bei der Stadtplanung berücksichtigt? Kann ein dieser Aspekt für Investoren spannend sein oder müssen Städte neue/alte Wege finden fami9liengerechte städtebauliche Impulse zu setzen?

Und wie gehen wir mit der Tatsache um, dass in manchen Großstädten schon jetzt der Anteil der schulpflichtigen Kinder mit Migrationshintergrund bei etwa 40 % liegt?

Werden wir es schaffen, die Anforderungen der PISA-Studie zu erfüllen und die wenigen Kinder nicht auch noch durchs gesellschaftliche Raster rutschen zu lassen? Werden die Städte in 10 Jahren, wenn der Baby-Boom vorüber ist, schulen schließen oder wird die Chance genutzt die freiwerdenden Mittel in die Bildung und damit in die Zukunft zu investieren?

Wie schaffen wir es, dass die Generation unserer Kinder wieder Mut zur Elternschaft bekommt? Ich glaube, dass heute die Entscheidung für oder gegen Kinder oftmals an den ganz konkreten Lebens- und Arbeitsbedingungen vor Ort gefällt wird.
Welche Angebote muss die Stadt der Zukunft machen, damit Ausbildung, Arbeit und Familie verbunden werden können.

KANN die Kommune überhaupt Einfluss nehmen über die reine Zahlung von Transfermitteln hinaus? Wenn ja, dann muss die finanzielle Ausstattung verbessert werden.


Die kinderfreundliche Stadt ist nur ein Aspekt des demographischen Wandels, dem wir uns politische stellen müssen. Im Bund, im Land und in den Kommunen. Wir brauchen neue Ideen und dürfen uns nicht auf die Frage zurückziehen:

Wer soll das alles bezahlen?

Sondern wir sollten in der Kommunalpolitik noch mehr lösungsorientiert denken und handeln:

Für die Kinder. Sie sind unsere Zukunft. Der kindergerechten Stadt ordne ich alles an politischen Entscheidungen in der Kommune unter. Kinder sind mein städtisches Leitbild.

Ist das die Stadt der Zukunft? Oder müssen wir da differenzierter ran?

Sie sehen, meine Damen und Herren es gibt so viele Aspekte, die um das Thema herum zu betrachten sind, dass wir uns wirklich auf die Meinung unserer Expertinnen und Experten und eine spannende Diskussion hinterher freuen können .


Sozialdemokratische Gespräche. Dialog Zukunft
SGK Kreis ME, 10.8.06, 19 Uhr, Flora, Oststr. 48


Fachtagung Demografischer Wandel.
Thema: Die kinderfreundliche Stadt

von Kerstin Griese MdB


· Thema: zentrale Frage für die Zukunftsfähigkeit unserer Städte und Gemeinden und unserer Gesellschaft, des sozialen Zusammenhalts der Gesellschaft.

· Daten Kreis Mettmann:
Anteil U18 wird von heute 18 auf 15 Prozent in 2020 sinken. Hingegen steigt der Anteil der 60 bis 79-Jährigen von 22 auf 24 Prozent. Der der über 80-Jährigen verdoppelt sich sogar von 4 auf 9 Prozent.

· Eigentlich würde in dieser Situation ein Reagieren auf die demografische Ent-wicklung bedeuten: Wir machen nur noch Altenpolitik. Bsp: Meine Besuche in Altenheimen und in Kitas in diesem Sommer: große Ausbaupläne in allen Alten-heimen

· Umsteuern hingegen heißt: Kinderpolitik. Umsteuern dauert lange: die Kinder, die von 30 Jahren nicht geboren wurden, können heute keine Kinder kriegen. Aber wir müssen Familien- und Generationenpolitik miteinander kombinieren. Das betrifft ganz viele Bereiche:

· Städtebaulich: in die Zentren investieren, sie gleichermaßen familien- und alten-freundlich gestalten. Herausforderung Nummer 1: Kinder und Familien dürfen nicht an den Rand der Gesellschaft gedrückt werde – weder sozial noch geografisch. Deswegen: Kinderpolitik muss soziale Stadtpolitik sein. Auch und gerade den Kindern in den benachteiligten Stadtvierteln muss eine Perspektive geboten werden. Gleichzeitig dürfen die Mittelschichtsfamilien nicht in die Rei-henhaussiedlungen am Stadtrand gedrängt werden.

· Kinderpolitik, eine Politik für kinder- und familienfreundliche Städte ist Zukunfts-politik und damit Standortpolitik. Gezielte Familienfreundlichkeit kann gerade für die Kommunen im Ballungsrandbereich ein herausragender Faktor werden. Damit er wirkt, muss er gleichzeitig ein ganzes Bündel von Maßnahmen umfas-sen.

· Das Potenzial dafür ist hier bei uns vorhanden: Laut Bertelsmannstiftung wird der Kreis ME bei der „Familienwanderung“ – Zuzug von Kindern/Jugendlichen sowie Erwachsenen zwischen 30 und 49 Jahren – mehr als doppelt so gut da-stehen wie NRW. (+4,2 pro tausend Einwohner/Kreis, +1,9 NRW)

· Welche politischen Maßnahmen sind nun ganz konkret nötig bzw. werden schon angepackt und wo können und müssen Kommunen, Land und Bund zu-sammenarbeiten, übrigens auch die Wirtschaft ist hier ganz besonders gefragt. Es geht um einen: Dreiklang von Zeit, Geld und Infrastruktur

· Am wichtigsten ist die Ausbau und Verbesserung der Kinderbetreuung, qua-litativ und quantitativ: Ganztagskitas, Ausbau der U3-Betreuung. Auch: ein qualifiziertes Tagesmütternetzwerk. Wir wissen, dass Eltern als häufzgste Probleme angeben, dass sie flexiblere und längere Betreuungszeiten sowie solche für Kinder unter drei Jahren brauchen. Mit dem TAG haben wir zum 1.1.2005 das Recht auf einen Betreuungsplatz ab dem 2. Lebensjahr geschaffen und die Kommunen setzen das nun um, übrigens sehr unterschiedlich schnell und gut im bundesweiten Vergleich. Die ersten Zahlen dazu liegen ganz aktuell vor. Dabei stellt sich heraus, dass der Ausbau der Kinderbetreuung für Unter-Dreijährige zwar erfolgreich begonnen hat. Nach dem ersten Bericht, der im Juli vorgelegt wurde, ist das Angebot an Kinderbetreuung für Unter-Dreijährige im Jahr 2005 im Vergleich zu 2002 bundesweit um 25 Prozent gewachsen. In den alten Bundesländern hat sich die Anzahl der Kinderbetreuungsplätze verdoppelt, im Osten stehen für rund 40 Prozent der Kinder Betreuungsplätze zur Verfügung. Die Betreuungsquote sei im Osten vier Mal höher als im Westen und die Unterschiede in Ost- und Westdeutschland seien nach wie vor erheblich, heißt es in dem Bericht.

· Mit dem Bericht folgt die Bundesregierung einer Vereinbarung im Koalitionsver-trag, die Umsetzung der im Tagesbetreuungsausbaugesetz festgelegten Aus-bauziele bis 2010 aufmerksam zu begleiten. Spätestens 2010 soll dann ein be-darfsgerechtes Angebot an Kinderbetreuung für Unter-Dreijährige verfügbar sein. Sollte sich schon 2008 herausstellen, dass mehr als zehn Prozent der Kommunen dieses Ziel nicht erreichen, wird es einen Rechtsanspruch für Kin-derbetreuung ab dem zweiten Lebensjahr geben. Das ist im Koalitionsvertrag festgelegt und das gilt.

· Der Ausbau der Kinderbetreuung ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Fami-lienpolitik, denn bessere Betreuung heißt bessere Bildungschancen für alle Kinder und bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Außerdem hat sie in-tegrative Wirkung. Entscheidend ist, dass die Gesellschaft eine Infrastruktur be-reitstellt, die es sowohl Müttern als auch Vätern ermöglicht, ihre Vorstellung von Familie, Beruf und Karriere zu realisieren. Sonst werden Kinder zu einem Privi-leg der sozial benachteiligten Unterschichten, die kaum etwas zu verlieren ha-ben, oder der Oberschicht, die sich Dienstleistungen selbst einkaufen kann.

· Das 12- bis 14-monatige Elterngeld könne nur dann richtig wirken, wenn für die Kinder ab dem zweiten Lebensjahr ausreichend Betreuungsplätze zur Verfü-gung stehen. Wichtiger Schritt, um Familien die Situation zu erleichtern. Wir wissen, dass über 80 Prozent der Mütter etwa ein Jahr nach der Geburt eines Kindes wieder in den Job einsteigen wollne, oft auch in Teilzeit.

· Offene Ganztagsgrundschulen: 4 Mrd.-Euro-Programm, auch in den Städten des Kreises ME sehr unterschiedlich angenommen, VEL und WÜL Vorbilder, andere Städte, die erst langsam nachziehen, haben den Druck der Eltern zu spüren bekommne. Immer noch ist die Nachfrage größer als das Angebot. NRW hat inzwischen 1500 Ogatas! Das ist eine echte Veränderung und Verbesse-rung. Früher war der Schuleintritt eine Verschlechterung der Situation in den Familien, weil eine vorher halbwegs gut funktionierende Betreuung wegfiel. Wichtig: Die Qualität des Bildungsangebotes – sowohl am Schulnachmittag, als auch im Kindergarten. Die Qualität der baulichen Bedingungen. Die unterstüt-zenden Netzwerke – nicht nur Lehrer sollen an den Schulen sein, sondern auch andere Lebensrealitäten. Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe intensi-vieren, auf einer Augenhöhe (Kommunalpolitiker kennen die Probleme).

· Eltern-Kind-Zentren/Familienzentren in alle Stadtteile – Integration aller fa-milienbezogenen Hilfsangebote. Enorme Träger- und Angebotsvielfalt besteht bereits heute. (Bund: Mehr-Generationen-Häuser) Vorbild für diesen Ansatz sind die Briten mit ihrem Modell des Early Excellence Centre. Sie sind frühpä-dagogische Einrichtungen, in denen jedem Kind ein Sure Start ins Leben ermöglicht werden soll. Hier geht es um Bildung für die Kleinsten – nicht nur durch Sprachförderung, sondern auch durch musikalische, künstlerische, mathematische und naturwissenschaftliche Lernangebote. Das Entscheidende an den Early Excellence Centres, die zumeist in sozialen Brennpunkten entstanden sind, ist die Einbeziehung der Eltern. Die Erzieherinnen und Er-zieher besuchen die Eltern zu Hause und machen sich dort ein Bild über den Entwicklungsstand des Kindes. In den Zentren selbst werden Familienberatungen und konkrete Hilfen angeboten. Erziehungsberatung und Sprachkurse für Eltern, Gesundheitsberatung, Kochkurse und Arbeitsvermittlung – was zuvor an unterschiedlichen Orten angeboten wurde und die wirklich Betroffenen nicht so recht erreichte, ist hier gebündelt untergebracht. Langfristig sollen diese Kinder- und Familienzentren so ausgebaut werden, dass die Kinder vom Säuglingsalter bis zum zehnten Lebensjahr begleitet werden. Ganztagsbetreuung kann die Eltern nur in Notfäl-len (die es aber auch oft genug gibt) aus der Erziehungsarbeit entlassen. Um-gekehrt: Durch eine intensive und individuelle Elternarbeit in den Kinderta-geseinrichtungen müssen die Eltern fit für ihre Rolle gemacht werden.

· Einbeziehen der Wirtschaft, Teilzeitgesetz, Elterngeld. Renate Schmidt: Alli-anz für die Wirtschaft, Lokale Bündnisse vor Ort. IHK muss dabei sein. Vorbild Velbert.

Eine kinderfreundliche Gesellschaft zu schaffen, in der die Kinder wieder in die Mitte der Gesellschaft zurückgeholt werden, ist eine zentrale Aufgabe. Denn das Fort-schreiben der jetzigen Situation, in der wir einen großen Teil von Kindern in sozial benachteiligten Stadtteilen aufwachsen lassen, wird demokratiegefährdende Folgen haben. Bereits heute besteht für Kinder und Jugendliche ganzer Stadteile die Realität in Aussichtslosigkeit, Sozialhilfemilieu, Schulversagen, Werteverfall, Rechtsextre-mismus und Kriminalität. Sie haben geringere Bildungschancen und einen schlechte-ren Gesundheitszustand als in anderen Wohngegenden. Damit geht eine niedrigere Lebenserwartung einher. Bildung von Anfang an – das ist deshalb der entschei-dende Punkt.
Eine neue Bildungsexpansion von Anfang an und die Bekämpfung der sozialen Se-lektion an den Schulen ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit. Sondern sie sind genauso eine harte ökonomische Notwendigkeit. Selbst wenn wir es schaffen wür-den, den Geburtenrückgang zu stoppen und umzukehren sowie für eine gesell-schaftsverträgliche Zuwanderung zu sorgen, gibt es unumkehrbar einen erheblichen demografischen Wandel. Die Alten werden immer mehr, die Jungen immer weniger. Das steht bereits fest.
Auch wenn die Seniorinnen und Senioren auch im Erwerbsleben länger aktiv bleiben, kommt es in Zukunft verstärkt auf die Jungen an. Alle Prognosen sind sich einig, dass es eine deutliche Ausweitung an Beschäftigung in höher qualifizierten Berei-chen geben wird – während einfache Tätigkeiten weiterhin erheblich zurückgehen werden. Ohne das Ausschöpfen der Bildungspotenziale aller jungen Menschen wird unsere schrumpfende Gesellschaft in erhebliche Schwierigkeiten geraten. Etwa fünf-zig Prozent aller Schülerinnen und Schüler müssten eine Hochschulzugangsberech-tigung erwerben. Und Schulabgänger ohne Abschluss dürfte es gar nicht mehr ge-ben. Das ist sicher ein weiteres Thema für unsere Zukunftsgespräche.


SGK Fachtagung „Demographischer Wandel“
Thema:
Die kinderfreundliche Stadt, 10.08.2006, Velbert

von Bürgermeister Stefan Freitag, Velbert

Familie intakt?

Vater und Mutter sind beide berufstätig und haben wenig Zeit. Ihre kleine Tochter hat Geburtstag, und eilig kommen die Eltern in ein Spielwarengeschäft und erklären der Verkäuferin: „Wir sind den ganzen Tag beruflich von zu Hause fort. Wir brauchen für unsere Tochter ein Geschenk, was sie sehr erfreut, lange beschäftigt, gut anregt und ihr das Gefühl der Geborgenheit schenkt“. „Tut mir leid“, sagt die Verkäuferin freundlich, „Eltern führen wir nicht!“


Eine zunehmend bindungsunfähige Gesellschaft löst ihre Probleme nicht mehr von selbst – sie ruft in Notlagen nach dem Staat. Herausforderungen, die früher innerhalb der Familie oder innerhalb tradierter gesellschaftlicher Institutionen wie vor allem der Kirchengemeinden oder einfach in der Nachbarschaft gelöst wurden, sind heute Aufgabe des Staates und der Städte geworden.


Ich halte deshalb auch nichts davon, wenn in wohlfeilen Diskussionen, z. B. in Fernsehtalkrunden darüber diskutiert wird, ob wir einen starken oder schwachen, einen schlanken oder fetten Staat brauchen. Ein Staat – und das gilt genauso für eine Stadt – ist das Prinzip Verantwortung. Und im Vordergrund steht dabei für mich die Orientierung am Gemeinwohl.



Demographische Entwicklung

·Weniger Menschen, weniger Frauen, weniger Kinder

·Vereinbarkeit Beruf – Familie Karriere vs. Kinder kriegen

> Betreuung schaffen

> Finanzielle Anreize

Es geht hier wohl kaum um fünfzig Euro weniger oder mehr, sondern vielmehr um Fragen des flexiblen Arbeitsrechts, das Vermeiden eines Karrierelochs oder die optimale medizinische Versorgung für Mutter und Kind bei einer Schwangerschaft in reiferem Alter.

Was Deutschland nämlich von vielen anderen Staaten unterscheidet, ist nicht so sehr der Rückgang der Geburtenzahlen als der Rückgang des Kinderwunsches, von tendenziell zwei auf tendenziell nur ein Kind. Abstrakte Kinderwünsche bestehen eher unabhängig von der Frage, ob die Öffnungszeiten des Kindergartens zu knapp bemessen sind. Auf diese Wunschebene entscheiden ganz andere Faktoren.


Synonym für Zukunft das sind auch und vor allem Kinder. Und damit möchte ich überleiten zu einem weiteren Ansatz, der in unserer Stadt sehr wichtig ist. Velbert als familien- und kinderfreundliche Stadt. Dabei stört es mich in der familienpolitischen und demographischen Diskussion auf Bundesebene ungemein, dass Kinder nur als Kosten- oder Rentensicherungsfaktor beschrieben werden, und allein hierin die Notwendigkeit für mehr Kinder gesehen wird. Zweifelsohne, unsere Zukunft und die unserer Kinder liegen in unserer Hand. Veränderungen in der Welt der Arbeit fordern unsere Phantasie heraus und ich bin ein klarer Befürworter besserer Kinderbetreuungsmöglichkeiten und steuerlicher Entlastungen für Familien. So werden wir das bereits vorbildliche Netz von Betreuungsmöglichkeiten für 3 bis 10jährige Kinder in Velbert weiter ausbauen und noch in diesem Jahr Angebote für den schulischen Sekundarbereich und für Kinder unter drei Jahren entwickeln. Aber eines sollte uns dabei klar sein:

Die Entscheidung, Kinder haben zu wollen treffen meines Wissens seit jeher maximal zwei Personen und nicht der Staat oder die Gemeinde. Die Entscheidung für Kinder wird in der jeweiligen Beziehung nicht darauf gegründet, ob man damit Geld verdient oder die eigene Rente sichert. Aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Neben materiellen Anreizen und zeitlichen Entlastungen brauchen Familien mehr Anerkennung und Unterstützung am Arbeitsplatz, beim Einkauf oder im öffentlichen Leben. Alleinige Maßnahmen und Instrumente des Staates reichen hierfür nicht aus und die Erfahrung lehrt, dass sozialpolitisch motivierte Familienpolitik die Geburtenrate nicht beeinflusst. Hier sind wir alle gefragt: ob im persönlichen Lebensumfeld, in der Nachbarschaft, im Verein, in der Kirchengemeinde oder am Arbeitsplatz. Eine familienfreundliche Stadt kann man weder verordnen noch beschließen. Sie muss gelebt werden!

Konkrete Projekte / Massnahmen in Velbert

Freiwilligenagentur
Und zu einer Familienpolitik wie ich sie verstehe gehören auch unsere älteren Mitbürger, deren Sorgen, Nöte und Ansprüche mir persönlich in der Diskussion um die allgemeine demographische Entwicklung zu kurz kommen.
Mit dem Anstieg der Zahl der älteren Menschen in Velbert sind gesellschaftliche Risiken, aber auch Chancen verbunden. Die Chancen liegen beispielsweise in dem großen Erfahrungsschatz der Seniorinnen und Senioren und ihrer häufig vorhandenen Bereitschaft, sich für die Allgemeinheit zu engagieren. Die Nutzung dieser wichtigen Ressourcen gilt es noch stärker als bisher zu fördern. Die Velberter Freiwilligenagentur leistet hier bereits überregional beachtete Arbeit.


Mit großer Sorge beobachte ich den Umgang mit den derzeitigen Begegnungsstätten, insbesondere der Kirchen. Für die geordnete Entwicklung der Quartiere halte ich den Erhalt der Begegnungsstätten für einen unverzichtbaren Bestandteil. Für die Bürgerinnen und Bürger sind sie nicht nur Orte der Kommunikation, sondern wichtiger Ort z.B. für Hilfsmaßnahmen der im Quartier lebenden Menschen, was Betreuung, Integration und soziales Geflecht angeht.

Kinderfreundliche Stadtplanung
Kinder und Jugendliche haben eigene Ideen, wie die öffentliche Infrastruktur von morgen aussehen soll: von Autos, die fliegen sollen, bis zu Häusern, an denen keine Wand mehr gerade steht. Stadt- & Jugendhilfeplaner fragen sich derweil, wie diese „Pläne“ realisiert werden können, ohne dem Engagement und Ideenreichtum der jungen Visionäre den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ziel der Stadt Velbert war es, ein modernes City-Marketing mit kinderfreundlicher Stadtplanung zu verknüpfen. Das hier erprobte Beteiligungskonzept „Wir spielen mit – Die Kinder von Velbert“ wurde nicht nur mit einem Preis ausgezeichnet, es wird auch in vielen anderen Stadtentwicklungsprojekten angewandt.


Im Rahmen der derzeitigen Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes wurde der Vorentwurf unter aktiver Beteiligung zahlreicher Jugendlicher der weiterführenden Schulen in Velbert erstellt.


Familienfreundlicher Arbeitgeber Stadtverwaltung Velbert
Die Stadtverwaltung Velbert hatte sich bereits im Jahr 2003 als erste Kommune in NRW dem Grund-Zertifizierungsprozess des audits berufundfamilie® gestellt. Nach einem dreijährigen Prozess wurde nunmehr überprüft, inwieweit die Umsetzung der damaligen Zielvorgaben erfolgt ist. Dazu zählen zum Beispiel Maßnahmen der betrieblichen Gesundheits- und Suchtvorsorge, Ausbau von Telearbeitsplätzen und die Einführung eines Vorschlagswesens. Am Ende dieser Re-Auditierung konnte ich nunmehr das endgültige Zertifikat von der Bundesministerin Dr. Ursula von der Leyen und dem Bundesminister Herrn Michael Glos in Empfang nehmen. Die Stadtverwaltung war damit eines der 12 Zertifikatsträger (129 Unternehmen erhielten das Grundzertifikat) und ist wiederum die erste Kommune in NRW und die zweite Kommunalverwaltung in Deutschland, die mit dem audit berufundfamilie® ausgezeichnet wurde.
Beispiele, die auch bei der Stadtverwaltung Velbert umgesetzt wurden sind folgende:


Kinderbetreuung

- Vernetzung der Betreuungsmöglichkeiten. Möglichkeiten (z.B. Tagesmütter, Betreuung von unter 3-jährigen) müssen bekannt sein
- Betriebskindergärten bzw. Belegplätze in einem solchen
- offene Ganztagsschulen / betreute Grundschule / Betreuung von Kindern nach der Schule


Wiedereinstieg
- Möglichkeiten schaffen zur Qualifizierung von Frauen während und nach der Elternzeit
- Betreuung und Information durch den Arbeitgeber während der Elternzeit
- personalpolitische Personalplanung / wer kommt wann zurück


Flexible Arbeitszeitmodelle
- Einführung von Telearbeit
- flexiblere Arbeitszeiten / Gleitzeit (6 – 20 Uhr bei der Stadtverwaltung Velbert)
- Förderung von aktiver Elternzeit (auch für Väter)
Führungskräfte / Geschäftsleitung
- Qualifizierung von Führungskräften ( auch im Hinblick auf Sozialkompetenzen)
- Initiierung von familienfreundlichen Qualifizierungsmöglichkeiten (z.B. halbtags)
- Familienfreundliches Engagement (z.B. Lokale Bündnisse für Familien)


Strategisches Zielprogramm Velbert’s Zukunft 2014
Die Stadt Velbert bekennt sich zu dem Ziel: „Velbert als familien- und kinderfreundliche Stadt“.
Bei den notwendigen Planungen werden folgende Maßnahmen zur Erreichung dieses Zieles beitragen:
- Bedarfsgerechter Ausbau der verschiedenen Betreuungsformen für Kinder unter drei Jahren
- Fortführung und Intensivierung des bereits gegründeten „Lokalen Bündnisses für Familien – Velbert“
- Angleichung der Elternbeiträge für alle Betreuungsarten.
- Festlegung der Elternbeiträge nur in der Höhe, dass Eltern nicht davon abgehalten werden, die Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder in Anspruch zu nehmen.
- Flächendeckende Sprachförderung im Elementarbereich
- Entwicklung eines Netzwerkes Präventiver Hilfen (wie z. B. „Gelsenkirchener Modell“) in form frühzeitiger Hilfestellungen unmittelbar nach der Geburt für die Familie, ggf. Zusammenarbeit mit Geburtskliniken und Hebammen
- Stärkere Ausrichtung der Familienbildung am Bedarf und Planung von Familienzentren.
- Vernetzung und Entwicklung gemeinsamer Angebotsformen von Jugendhilfe und Schule u. a. im Bereich OGATA
- Vernetzung der Jugendförderung mit Schulen und anderen Trägern
- Weitergehende Maßnahmen der Jugendberufshilfe zur Verringerung der Schulabgänger ohne Abschluss


Lokales Bündnis für Familie
Am 19. August 2005 wurde in Velbert das lokale Bündnis für Familien gegründet. Erstes deutliches Zeichen war der Familiengutschein, der am 24. August der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Der Familiengutschein ermöglicht den Beschenkten die Teilnahme an den gemeinsam vom SKFM Velbert e.V. und der Volkshochschule Velbert in Kooperation mit weiteren Partnern wie der Frauenbeauftragten und den Stadtteilbüchereien eingerichteten Veranstaltungen. Es stehen hierfür neben Pekip-Kursen, Vortragsreihen zur Erziehungsthemen und musik-pädagogischen Angeboten, auch Seminare und Schulungen zur Stärkung der erzieherischen Kompetenz im Rahmen des Elternführerscheins Fit for Kids zur Auswahl.

Unternehmen, Betriebe, Wohnungsbaugesellschaften bietet der Familiengutschein eine Möglichkeit ihre Familienfreundlichkeit und ihre Akzeptanz der Entscheidung für ein Kind nachhaltig mit dem Geschenk eines Familiengutscheins an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bzw. Mieterinnen und Mieter z. B. zur Geburt eines Kindes, zur Einschulung eines Kindes, oder auch nur als Zeichen der persönlichen Wertschätzung deutlich zu machen



Projekt Fit Kids / Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthochschule Köln

Im August 2005 startete das Projekt „FitKidz – Kinder in Bewegung“. Leitziel des Projekts ist die Verbesserung der Bewegungsumwelt der Kinder in der Stadt Velbert.
Das Projekt umfasst dabei drei Bausteine: die Entwicklung eines bewegungsorientierten offenen Ganztags an zwei offenen Ganztagsgrundschulen (Birth, Langenberg/Kuhstraße), die Etablierung eines Netzwerks zur Bewegungsförderung und die Durchführung einer jährlichen Sportkonferenz. Ziel der Sportkonferenz ist es, den Ideen- und Erfahrungsaustausch für alle Fachkräfte aus dem Kinder- und Jugendbereich zu fördern.


- Im Projekt FitKidz setzt sich mit dem SKFM ein Träger der Jugendhilfe verstärkt für die Integration von Bewegungsangeboten in den offenen Ganztag ein, um die sozialen und gesundheitlichen Potenziale des Sports stärker in den Alltag einzubeziehen. Die Deutsche Sporthochschule Köln initiiert in diesem Rahmen einen Prozess, der eine Projektentwicklung in Richtung „Bewegter Ganztag“ anregt. Sie übernimmt mit dem Projektbüro FitKidz und einer Sportwissenschaftlerin vor Ort die Beratung, Schulung, Impulsgebung und die gesamte Koordination des Prozesses.

- Es werden verstärkt Sportvereine angesprochen, um ihr Engagement im Ganztag einzubringen.

- Ein weiterer Schwerpunkt ist die Schulung des pädagogischen Personals an den Schulen sowie die Integration und Motivierung der Kinder.

- Ich bin stolz, dass das Projekt bisher derart Beachtung gefunden hat, dass es durch „Aktion Mensch“ unterstützt wird.


Ausbau der U 3 Betreuung

Keine Erhöhung der Kindergartenbeiträge

Manchmal ein Vorteil

Die Familie war um den Tisch versammelt beim Abendessen. Der älteste Sohn kündigte an, er werde das Mädchen von gegenüber heiraten.

„Aber ihre Familie hat ihr nicht einen Pfennig hinterlassen“, sagte der Vater voller Missbilligung.

„Und sie selbst hat sicher nichts gespart“, ergänzte die Mutter.

„Sie versteht rein gar nichts von Fußball“, sagte der Bruder.

„Ich habe noch nie ein Mädchen mit einer so blöden Frisur gesehen“, warf die Schwester ein.

„Sie tut nichts als billige Romane lesen“, meinte der Onkel.

„Und sie zieht sich sehr geschmacklos an“, meckerte die Tante.

„Dafür spart sie nicht mit Puder und Schminke“, sagte die Großmutter.

„Alles richtig“, sagte der Sohn, „aber sie hat, mit uns verglichen, einen großen Vorteil!“ – „Und der wäre?“ fragten alle gespannt. – „Sie hat keine Familie!“


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